Brief an IHN


Ich habe bezahlt. Für all deine Wünsche. Ich war Dir für all das gut. Ich hab bezahlt. Einen abscheulichen Preis.
Für all deine Wünsche. Für all deine Spiele, Deine Überraschungen. Für Dich!
Ich hab Dich nicht angebettelt, ich hab Dich nicht darum gebeten. Mit welchem Recht hast Du Dir das genommen?
Mit welchem Recht hast Du mich getötet?

Du hast das Kind in mir kaltblütig umgebracht. Ich schwöre Dir eins:
Alles was Kindheit bedeutet, war an diesem Tag vorbei. Du hast mich fein säuberlich umgebracht.
Hast alles in mir getötet, beschmutzt, befleckt. Du hast mich mir selbst geraubt.
Du hast mich mit festem Griff mich mir entzogen. Du hast mich festgekrallt und ich bin geflohen so gut ich konnte.
Du hast mich zerstört ich bin zerbrochen in tausend Stücke, bin gestorben in jenem Moment.
Ich bin aufgegangen in eine andere Welt. Ich war nicht mehr das Kind, das ich vorher war.
Ich wünschte, Du wüsstest was Du getan hast, ich wünschte, Du hättest nur einen blassen Schimmer dessen,
was Du angestellt hättest. Ich wünschte, du würdest an deiner Schuld zugrunde gehen.

Siehst Du nicht, was es getan hat? Siehst Du nicht, dass nie mein Gefallen war?
Nie hab ich all das gemocht. Nie hab ich darum gebeten. Nie habe ich dich angefleht es zu tun. Ich habe gebettelt,
ich hab gewinselt, ich hab gefleht. Aber es war Dir egal. Jeder Schritt war eine neue Herausforderung für Dich.
Ein neues Ziel, ein neues Spiel. Was haben meine Tränen bewirkt?
Warum weinen, wenn es eh nichts ändert, warum weinen, wenn es nicht besser wird?
Warum weinen, wenn Du es eh nicht hörst? Ich hab aufgehört. Soviel Schmerz eingeschlossen. Da ganz tief.
Darf er je raus? Wann hat er seine Berechtigung?
Warum betteln, warum flehen, warum jammern, wenn es Dich doch nicht interessiert?
Warum all das, wenn es dich eh nicht am Handeln hindert?

Du bist über Grenzen gerannt, über Grenzen gestolpert. So oft, dass ich selbst keine Grenzen kenne!
Wie soll ich Grenzen definieren, wenn ich weiß, wie wertlos ein Nein ist?
Wie soll ich mich wehren, wenn ich weiß, dass jede Abwehr schreckliche Folgen hat?
Was will ich jammern, was will ich betteln, was verhandeln, wenn ich doch keine Verhandlung gewinnen kann.
Ja, ich habe gelernt, dass Du bekommst was du willst. Egal wie, egal wo, egal wann.
Ich? Wo das ich ist? Nicht mehr da. Ich bin geflohen, als es nicht anders zu machen war.
Ich kenne Dich nicht und kenne Dich doch. Du bist anders. Du bist lieb. Du bist Du und doch nicht Du.
Warum hast du soviele Gesichter? Warum kannst Du so nett sein, was sucht dieses Grinsen auf deinem Gesicht?
Was willst du? Warum bin ich hier? Was hast du getan? Was habe ich getan?

Ich gehöre nicht hier her. Nicht meine Welt. Nicht mein Leben. Nicht meine Zuversicht. Nicht meine Welt.
Ich habe nie hier her gehört. Nie diese Welt betreten. Ich habe Dir nichts getan. Weder Dir noch mir.
Ich kenne Dich nicht. Und weiß nicht, was Du willst. Du hast mich verletzt. Du hast mir weh getan.
Du hast das gewollt. Du hast mich angefasst. Dir das geholt, was Du brauchst.
Wie ist es, einen schwachen Körper vor dir liegen zu haben? Warum ist es mir egal, was Du da tust?
Warum ist es mir scheiß egal, Hauptsache, Du gehst wieder. Lass mich in Ruhe, ich bin es satt, dass Du das tust.

Ich bin machtlos gegen Dich. Warum? Warum tust Du das? Was bringt es dir? Warum brauchst Du das?
Ich habe Dir nichts getan, dass Du mir das antun musst. Ich flehe Dich an, dass Du ablässt, aber Du hörst das nicht mal.
Hab ich es überhaupt gesagt? Ich weiß es nicht. Ich bitte dich hör auf. Ich kann Dich nicht mehr ertragen.
Bleib einfach weg. Wo gehöre ich hin? Bin verloren.

Weißt Du, dass ich Dich nicht mal hasse für all das? Dass ich machtlos gegen Dich bin?
Dass ich Dir ewig bei Fuß stehen werde. Dass Du Dir das mit geholt hast, was es gerade für Dich zu holen gab.
Ich beglückwünsche Dich zu einem Kind, was soviel Angst vor Erwachsenen hat, dass es alles tun wird,
was von dem Kind erwartet wird. Ich beglückwünsche Dich zu einer Jugendlichen, die sich nicht mehr drum schert,
was ihr angetan wird. Ich beglückwünsche Dich zu einem Mädchen, was genau weiß, dass es keine Chance gegen Dich hat.
Ich beglückwünsche Dich für die Unterstützung der Menschen, die dieses Kind, dieses Mädchen,
diese Jugendliche zu dem gemacht haben, was sie heute ist.
Ich beglückwünsche Dich, dass Du aus einem kleinem Kind eine Frau gemacht hast,
als das Kind noch Kind war und nicht wollte, dass Du sie so zu einer Großen machst,
zudeiner Großen. Ich beglückwünsche Dich, dass Du aus diesem Kind inmancher Hinsicht ein psychisches Wrack hervorgezaubert hast.
Woher hast Du Dir dieses Recht genommen? Ich kann das nicht ändern. Ich kann die Zeit nicht ändern. Du hättest es können.

Und ich frage Dich. Warum hab ich diesen Preis gezahlt? Warum hast Du es bevorzugt für all die Geschenke etwas zu verlangen?
Ich war ein Kind, was in den Arm genommen werde wollte. Ein Kind, was getröstet werden wollte.
Ein Kind, was mal über den Kopf gestreichelt werden wollte. Ich war nie ein Kind was eine Hure sein wollte!

Weißt Du, dass ich das bereue? Dass Du mir diese abscheulichen Wörter in den Kopf gesetzt hast.
Was ich nach deiner Meinung bin. Weißt Du, wie lange es gedauert hat dass mir jemand gesagt hat, dass ich das nicht bin?
Weißt Du, dass es für mich etwas ist, was ich einfach nicht glauben kann?
All die Beschimpfungen, die anderen so locker über die Lippen gehen. Die hauen mich um.

Estut mir leid, Dir je begegnet zu sein. Es wäre besser gewesen, wenneiner von uns beiden nie das Licht der Welt erblickt hätte.
Ichhab genug versucht genau das zu erreichen. Aber zwischenzeitlich weißich, es wäre besser gewesen, wenn du es nie erreicht hättest.
Dass du einfach nie das Leben angefangen hättest.
Es tut mir leid… es hätte nie sein sollen. Nie so werden sollen. Es tut mir leid. Ist mein Verrat vergleichbar mit Deinem?

(15.11.2009)
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